Entführung japanischer Bürger durch Nordkorea

Mehr zur Entführungsfrage

Januar 2010 / Sonderstab für die Entführungsproblematik

  Nachdem die Regierung Nordkoreas jahrelang alle Anschuldigungen verneint hatte, gab sie zum ersten Mal am 17. September 2002 auf dem Japanisch-Nordkoreanischen Gipfeltreffen in Pjöngjang zu, dass sie in der Tat japanische Bürger entführt hatte. Bei dem Treffen entschuldigte sich Nordkorea und versprach, in Zukunft keine weiteren Entführungen zu unternehmen. Gegenwärtig hat die Regierung Japans 17 Bürger identifiziert, die von Nordkorea entführt worden sind (siehe Anlage). Von diesen 17 erhielten fünf am 15. Oktober 2002 die Erlaubnis, nach Japan zurückzukehren, 24 Jahre nach ihrer Entführung aus Japan. (Ihre Ehepartner und Kinder kamen im Mai und Juli 2004 nach Japan.) Die nordkoreanischen Behörden hatten lange Zeit keine glaubwürdige Rechenschaft über den Verbleib der übrigen Entführten abgelegt, deren Status noch immer unbekannt ist, obwohl Nordkorea auf dem am 22. Mai 2004 abgehaltenen zweiten Japanisch-Nordkoreanischen Gipfeltreffen versprochen hatte, unverzüglich eine gründliche Untersuchung einzuleiten, um die Fakten zu diesen Fällen aufzudecken. Im Rahmen einer Konsultation auf Arbeitsebene im Juni 2008 erfolgte jedoch eine Erklärung Nordkoreas, der zufolge eine Neuuntersuchung der Entführungsfrage geplant sei. Im August desselben Jahres wurden zwischen den Parteien entsprechende Zielvorgaben und konkrete Vorgehensweisen vereinbart. Die nordkoreanische Seite will demzufolge konkrete Schritte zur Lösung der Entführungsfrage unternehmen und damit eine umfassende Untersuchung zum Verbleib der Entführten durchführen, um den Überlebenden eine Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen.

  Die Entführung japanischer Bürger ist eine ernste Angelegenheit, welche die nationale Souveränität Japans und das Leben und die Sicherheit der Einwohner Japans bedroht. Bis zur Klärung dieser Angelegenheit könne es keine Normalisierung der Beziehungen mit Nordkorea geben – so lautete die bisher von der japanischen Regierung vertretene Position. Solange die nordkoreanische Seite keine überzeugenden Erklärungen oder Beweise liefere, werde davon ausgegangen, dass alle Entführten, deren Verbleib ungeklärt ist, noch leben. Die japanische Regierung hatte stets gefordert, dass alle übrigen Entführten sicher nach Japan zurückkehren können, dass ein voller und genauer Bericht für jeden Fall dargelegt wird und dass die Entführer den japanischen Behörden übergeben werden. Sie will nun die Verhandlungen mit Nordkorea fortsetzen, um möglichst bald eine Aufnahme der von Nordkorea angekündigten umfassenden Untersuchungen zu erreichen und zügig zu Ergebnissen bezüglich der Rückkehr überlebender Entführter zu gelangen.

  Nordkorea behauptet regelmäßig, Japan beharre nur deshalb auf der Lösung der Entführungsfrage, um einer Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit aus dem Wege zu gehen. Die japanische Regierung hat jedoch wiederholt betont, sich gemäß der Pjöngjang-Erklärung um eine ehrliche Aufarbeitung dieser traurigen Vergangenheit zu bemühen. Eine solche Behauptung der nordkoreanischen Seite ist daher inakzeptabel, und Japan wird auch weiterhin von Nordkorea eine zügige und konkrete Entscheidung in der Entführungsfrage fordern. Aufgrund der Möglichkeit, dass außer den identifizierten 17 Personen noch weitere Entführte existieren, führt die Regierung Japans Ermittlungen und Nachforschungen durch. Sollten zusätzliche Fälle existieren, die als Entführungsakte identifiziert werden, wird die Regierung Japans diese bei der Regierung Nordkoreas zur Sprache bringen.

1. Hintergrund

  Während der 1970er und 1980er Jahre gab es eine Reihe von Vorfällen, bei denen japanische Bürger unter unnatürlichen Umständen verschwanden. Von den japanischen Behörden durchgeführte Ermittlungen und Aussagen von geflohenen nordkoreanischen Agenten offenbarten, dass es sich bei vielen dieser Vorfälle mit großer Wahrscheinlichkeit um Entführungen durch Nordkorea handelte. Seit 1991 hat die Regierung Japans jede Gelegenheit genutzt, Nordkorea auf die Frage der Entführungen anzusprechen, Nordkorea aber verleugnete, hartnäckig jegliche Beteiligung an den Entführungen. Auf dem Japanisch-Nordkoreanischen Gipfeltreffen im September 2002 gab Nordkorea jedoch erstmals zu, japanische Bürger entführt zu haben.

  Es gibt eine Anzahl möglicher Motive für diesen beispiellosen Akt eines staatlich sanktionierten Verbrechens durch Nordkorea: Tarnung der Identität nordkoreanischer Agenten; Ausbildung nordkoreanischer Agenten durch Entführte, mit dem Ziel sich unbemerkt in die japanische Gesellschaft zu integrieren und Rekrutierungen für die Yodo-go-Gruppe (siehe Anmerkung unten), die bis heute in Nordkorea Unterschlupf findet. Zusätzlich zu den bereits als Entführte identifizierten 17 japanischen Bürgern existieren möglicherweise weitere von Nordkorea entführte Personen, über die die Regierung Japans die notwendigen Ermittlungen und Nachforschungen durchführt. Ergebnisse dieser Ermittlungen haben bislang zusätzliche mutmaßliche Entführungsfälle in Japan (von nichtjapanischen Bürgern, in Japan lebenden nordkoreanischen Staatsangehörigen) sowie Entführungsfälle in anderen Ländern aufgedeckt. [Siehe 3.1 (b) und 4.1 (a) unten für weitere Einzelheiten.]

  1997 gründeten die Familien der von Nordkorea Entführten die „Vereinigung der Familien der von Nordkorea entführten Opfer“ (auch als „Vereinigung der Familien“ bekannt), um die Rückkehr der Entführten zu bewirken. Die Vereinigung der Familien hat bislang mehr als 7,65 Millionen Unterschriften gesammelt, die dem Premierminister Japans präsentiert wurden.

Anmerkung: Der Begriff Yodo-go-Gruppe bezieht sich auf eine Gruppe von Flugzeugentführern, die am 31. März 1970 den Flug Japan Airlines 351 (bekannt als Yodo-go) nach Nordkorea entführten, sowie auf ihre Familien.

2. Gespräche über die Entführungen zwischen Japan und Nordkorea

(1) Erstes Japanisch-Nordkoreanisches Gipfeltreffen (September 2002)

(a)  Nach jahrelanger hartnäckiger Leugnung aller Anschuldigungen gab Kim Jong-Il, Vorsitzender der Nationalen Verteidigungskommission von Nordkorea, auf dem Japanisch-Nordkoreanischen Gipfeltreffen am 17. September 2002 erstmals zu, dass Nordkorea in der Tat japanische Bürger entführt hat, und entschuldigte sich für diese Vorfälle. Die Regierung Japans verlangte Ermittlungen zu den als Entführte identifizierten 13 Personen. Nordkorea behauptete, dass vier dieser Personen noch lebten und acht gestorben seien. Bezüglich der verbleibenden Person gebe es laut Nordkorea keine Indizien, dass diese das Land jemals betreten hätte. Die nordkoreanische Delegation gab auch die Entführung einer weiteren Person zu, zu der die Regierung Japans keine Ermittlungen verlangt hatte, und bestätigte, dass diese Person noch lebte. (Was jedoch die Mutter dieses Entführten betrifft, die zur gleichen Zeit verschwand, behauptet Nordkorea, dass Ermittlungen keine Indizien ergaben, dass diese Person jemals nordkoreanisches Territorium betreten habe.) Auf demselben Treffen versicherte Nordkorea, dass die an den Entführungen Beteiligten bestraft worden seien, und dass sich solche Fälle nicht wiederholen würden. Nordkorea verpflichtete sich außerdem, die Entführten mit ihren Familienangehörigen zu vereinen und nach Japan zurückkehren zu lassen.

  Der damalige Premierminister Junichiro Koizumi legte beim Vorsitzenden Kim Jong-Il nachdrücklich Protest ein und verlangte weitere Ermittlungen, die Rückkehr der Überlebenden und ein Ende der Entführungen.

(b)  In einer öffentlichen Stellungnahme, die am Tag des Treffens abgegeben wurde, erwähnte ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums, dass Nordkorea bereit sei, die erforderlichen Schritte zur Rückkehr der Entführten nach Japan zu ergreifen.

(2) Entsendung eines Ermittlungsteams (September – Oktober 2002)

  Zwischen dem 28. September und dem 1. Oktober 2002 entsandte die Regierung Japans ein Ermittlungsteam nach Nordkorea, um die Entführten zu treffen und Informationen über die Entführten, deren Verbleib noch unbekannt war, zu sammeln. Nordkorea stellte dem Team jedoch nur begrenzte Informationen bereit, von denen ein Großteil widersprüchlich und von fragwürdiger Glaubhaftigkeit war. In einem speziellen Fall ergaben gerichtsmedizinische Untersuchungen der ausgehändigten sterblichen „Überreste“, die von Nordkorea als die von Kaoru Matsuki identifiziert wurden, dass sie in Wirklichkeit die einer anderen Person waren. Bei der 12. Runde der am 29. und 30. Oktober 2002 in Kuala Lumpur abgehaltenen Japanisch-Nordkoreanischen Normalisierungsgespräche führte die Regierung Japans 150 Unstimmigkeiten in den von Nordkorea bereitgestellten Informationen auf und forderte die Bereitstellung weiterer Informationen. Nordkorea ist bis heute eine hinreichende Antwort auf diese Anfrage schuldig geblieben.

(3) Rückkehr von fünf Entführten nach Japan (Oktober 2002)

(a)  Als Antwort auf die Forderungen der Regierung Japans ließ Nordkorea fünf Entführte (Yasushi und Fukie Chimura, Kaoru und Yukiko Hasuike sowie Hitomi Soga) frei. Sie kamen am 15. Oktober 2002 in Japan an und wurden mit ihren Familienangehörigen wiedervereint.

(b)  Als Ergebnis eines Beschlusses, dass die Entführten in einer Umgebung leben müssen, in der sie über ihre eigene Zukunft und die ihrer noch in Nordkorea weilenden Familienangehörigen frei entscheiden können, gab die Regierung Japans am 24. Oktober bekannt, dass die Entführten in Japan bleiben würden. Die Regierung forderte außerdem Nordkorea auf, die Sicherheit der noch in Nordkorea weilenden Ehepartner und Kinder der Entführten zu gewährleisten und sofort einen Termin für ihre Reise nach Japan festzulegen. 

  Die Rückkehr besagter Ehepartner und Kinder und der Erhalt eines vollständigen Berichts über den Verbleib der Entführten, deren Schicksal noch ungeklärt ist, wurden zu einem ernsten Streit- und Verhandlungspunkt zwischen Japan und Nordkorea.

(4) Zweites Japanisch-Nordkoreanisches Gipfeltreffen (Mai 2004)

  Mit dem Willen, die in der Pjöngjang-Erklärung beim ersten Japanisch-Nordkoreanischen Gipfeltreffen vereinbarten Punkte umzusetzen und Vertrauen zwischen Japan und Nordkorea aufzubauen, reiste Junichiro Koizumi (der damalige Premierminister) am 22. Mai 2004 erneut nach Nordkorea. Die Diskussionen konzentrierten sich auf die Entführungsfrage und andere Streitpunkte zwischen Japan und Nordkorea sowie auf Fragen, die den Frieden und die Sicherheit in Nordostasien beeinflussen, wie z. B. Atomwaffen und Raketen. Während dieser Diskussionen einigten sich der Vorsitzende und der Premierminister hinsichtlich der Entführungsfrage auf die folgenden Punkte.

  • Nordkorea willigte ein, die fünf Familienangehörigen von Kaoru und Yukiko Hasuike sowie Yasushi und Fukie Chimura nach Japan zurückkehren zu lassen. (Während seines Aufenthalts versuchte der Premierminister eine Stunde lang, die Reise der drei Familienmitglieder von Frau Soga nach Japan zu verhandeln. Obwohl ihr Mann und ihre Töchter nicht am gleichen Tag wie die anderen nach Japan reisten, trafen sie schließlich am 18. Juli in Japan ein.)
  • Nordkorea willigte ein, die Ermittlungen sofort wieder aufzunehmen. Nordkorea werde mit den Ermittlungen wieder von vorne beginnen, die die Fakten über die Entführten, deren Zustand bis heute ungeklärt ist, aufdecken sollen.

(5) Konsultationen auf Arbeitsebene zwischen Japan und Nordkorea (August, September und November 2004)

(a)  Konsultationen auf Arbeitsebene zwischen Japan und Nordkorea wurden später im gleichen Jahr in Beijing abgehalten, wobei das erste Treffen am 11. – 12. August und ein zweites Treffen am 25. – 26. September stattfand. Die nordkoreanische Seite präsentierte die vorläufigen Ergebnisse ihrer laufenden Ermittlungen zu den Entführten, deren Zustand bisher ungeklärt war. Nordkorea legte jedoch keine hinreichenden Indizien oder eine ausreichende Dokumentation vor, um die präsentierten Informationen zu bekräftigen.

(b)  Um auf den bei den ersten beiden Treffen unternommenen Schritten aufzubauen, fand eine dritte Runde von Konsultationen auf Arbeitsebene zwischen Japan und Nordkorea vom 9. – 14. November 2004 in Pjöngjang statt. Diese Diskussionen dauerten über 50 Stunden. Neben Fragen und Antworten, die direkt an den Ermittlungsausschuss gerichtet wurden, fanden auch direkte Verhandlungen mit insgesamt 16 „Zeugen“ sowie Ortsinspektionen von Einrichtungen und anderen für die Entführungsfälle relevanten Orten statt.

  Bei der dritten Konsultationsrunde wurden auch Fälle von vermissten Personen zur Sprache gebracht, die von der Regierung Japans noch nicht als Entführte identifiziert worden waren, bei denen die Wahrscheinlichkeit einer Entführung durch Nordkorea jedoch nicht ausgeschlossen werden konnte. Die Regierung Japans legte der nordkoreanischen Seite die Namen von fünf solcher vermissten Personen vor und bat um entsprechende Informationen. Die Regierung forderte erneut die sofortige Bereitstellung weiterer Informationen über die Entführung aller japanischen Bürger, egal, ob sie von der Regierung Japans identifiziert worden waren oder nicht. Als Antwort darauf versicherte Nordkorea, dass es keine Indizien gebe, dass auch nur eine dieser fünf Personen jemals Nordkorea betreten habe.

(c)  Die Regierung Japans überprüfte und untersuchte umgehend Informationen und Beweismaterial, welches sie bei den dritten Konsultationen auf Arbeitsebene von Nordkorea erhalten hatte. Am 24. Dezember legte die Regierung ihre Ergebnisse vor. Am folgenden Tag, dem 25. Dezember, präsentierte die Regierung Japans die unten aufgeführten Punkte der Regierung Nordkoreas sowohl mündlich als auch schriftlich. Die Regierung ergriff außerdem diese Gelegenheit, um Nordkorea eine Zusammenfassung ihrer Ergebnisse und Testresultate der sterblichen Überreste zu präsentieren, von denen Nordkorea behauptete, dass sie Megumi Yokota gehörten.

  • Es gibt keine Beweise zur Bestätigung des von Nordkorea vorgelegten Materials oder der bei den dritten Japanisch-Nordkoreanischen Konsultationen auf Arbeitsebene präsentierten Behauptungen, dass acht der Entführten gestorben seien, und dass es keine Indizien gebe, dass zwei der in Frage stehenden Personen jemals Nordkorea betreten hätten. Die Regierung Japans betrachtet diese Behauptungen als inakzeptabel und beanstandet den bei diesen Konsultationen von Nordkorea demonstrierten Mangel an Glaubwürdigkeit.
  • Die bislang von Nordkorea präsentierten Informationen und Indizien sind als unzureichend zu bezeichnen, um volle Rechenschaft über die Entführten abzulegen, deren Verbleib noch immer ungeklärt ist, und die versprochenen neuen Ermittlungen haben nicht stattgefunden. Die vorgelegten Informationen sind fragwürdig. DNA-Tests ergaben, dass sich in einem Teil der von Nordkorea als Megumi Yokotas ausgegebenen „sterblichen Überreste“ DNA verschiedener Personen befand.
  • Die Regierung Japans fordert nachhaltig die sofortige Bereitstellung eines vollständigen Berichts über die Entführten, deren Zustand noch ungeklärt ist, und die sofortige Rückkehr etwaiger Überlebender nach Japan. Die Regierung ist bereit, strenge Maßnahmen zu ergreifen, falls Nordkorea nicht unverzüglich und aufrichtig antwortet.

(d)  Am 26. Januar 2005 überreichte die nordkoreanische Seite der Regierung Japans ein Memorandum mit Datum vom 24. Januar, das u. a. den Standpunkt Nordkoreas zu der von Japan durchgeführten DNA-Analyse der „sterblichen Überreste“, die angeblich diejenigen von Megumi Yokota sein sollen, skizzierte. Mit der Überreichung des Memorandums forderte Nordkorea auch die Rückgabe der sterblichen Überreste. Am 10. Februar widerlegte die Regierung Japans die nordkoreanischen Argumente in dem Memorandum und verlangte noch einmal die sofortige Rückkehr aller überlebenden Entführten nach Japan und die Bereitstellung eines vollständigen Berichts über die Fakten dieser Fälle. Am 24. Februar und 13. April wiederholte Nordkorea seinen Einspruch gegen den Standpunkt Japans, dem die Regierung Japans entgegnete, indem sie erneut auf die objektiven und wissenschaftlichen Ergebnisse ihrer Analyse hinwies.

(6) Umfassende Gespräche zwischen Japan und Nordkorea (Februar 2006)

  Umfassende Gespräche zwischen Japan und Nordkorea fanden vom 4. – 8. Februar 2006 in Beijing statt, die sich mit der Entführungsfrage, Fragen zu Atomwaffen und Raketen und der Normalisierung der Beziehungen befassten. Die Konsultationen zur Entführungsfrage dauerten insgesamt 11 Stunden. Während dieser Treffen forderte die Regierung Japans erneut die Rückkehr aller Überlebenden nach Japan, die Wiederaufnahme von Ermittlungen durch Nordkorea zur Ablegung einer vollständigen Rechenschaft über die ungeklärten Fälle sowie die Auslieferung der für die Entführungen Verantwortlichen an die japanischen Behörden.

  Als Antwort auf die Forderungen Japans wiederholte die nordkoreanische Seite ihre früheren Versicherungen, dass alle Überlebenden bereits nach Japan zurückgeführt worden seien. Sie bestand darauf, dass sie die Fälle bereits glaubwürdig ermittelt hätte, und erklärte, dass sie zu den Ergebnissen ihrer früheren Ermittlungen stünde. Sie weigerte sich, weitere Ermittlungen zu den Entführungsfällen, deren Verbleib noch ungeklärt ist, zuzusagen. Nordkorea brachte auch vor, dass Japans Forderung nach Auslieferung der für die Entführungen Verantwortlichen lediglich ein politisches Manöver sei, und weigerte sich, darauf einzugehen.

  Es wurde deutlich, dass Nordkorea keine Bereitschaft zeigte, konkrete Schritte zur Lösung der Entführungsfrage zu unternehmen. Stattdessen forderte die nordkoreanische Seite die Auslieferung von sieben japanischen Staatsangehörigen, die nordkoreanischen Überläufern geholfen hatten, da solche Aktivitäten die nordkoreanischen Gesetze verletzen würden.

(7) Nordkorea startet Raketen und kündigt Atomwaffentests an (Juli und Oktober 2006)

(a)  Am 5. Juli 2006 startete Nordkorea sieben Raketen in Richtung Japan. Am selben Tag antwortete die Regierung Japans mit der Umsetzung von neun Maßnahmen gegen Nordkorea, darunter auch ein Einlaufverbot für die nordkoreanische Fähre Mangyongbong-92 in japanische Häfen. Die Regierung verurteilte die nordkoreanischen Aktionen auf das Schärfste, als sie die Details dieser Sanktionen verkündete. 

  Am 9. Oktober desselben Jahres gab Nordkorea, wiederholten Warnungen der internationalen Gemeinschaft zum Trotz, die Durchführung eines Atomwaffentests bekannt. Unter scharfer Verurteilung Nordkoreas und Ausdruck entschlossenen Widerstands gegen solche Tests antwortete die Regierung Japans am 11. desselben Monats mit vier Maßnahmen gegen Nordkorea, die das Einlaufverbot aller Schiffe unter nordkoreanischer Flagge in japanische Häfen sowie eine Importsperre aller nordkoreanischen Waren einschlossen.

(b)  Diese Serie von Maßnahmen gegen Nordkorea wurde in Anbetracht des internationalen politischen Klimas und verschiedener komplexer Faktoren ergriffen. Einer der Faktoren, der den Beschluss zur Durchführung dieser Maßnahmen beeinflusste, war die Tatsache, dass Nordkorea keine glaubwürdigen Schritte zur Lösung der Entführungsfrage unternommen hatte. In Erwägung der allgemeinen Lage, die den Mangel an konkretem Fortschritt in der Entführungsfrage einschloss, setzte die Regierung Japans zwei dieser Maßnahmen—das Einlaufverbot aller nordkoreanischen Schiffe in japanische Häfen und die Importsperre aller nordkoreanischen Produkte—für jeweils sechs Monate ab dem 10. April 2007, dem 9. Oktober 2007, dem 11. April 2008 und dem 10. Oktober 2008 um. Das erneute Abfeuern einer Rakete am 5. April 2009 durch Nordkorea und die immer noch ausstehenden konkreten Schritte in der Entführungsfrage veranlassten Japan am 10. desselben Monats zu einer einjährigen Verlängerung der Maßnahmen. Außerdem wurden zwei weitere Maßnahmen getroffen, die die Kapitalflüsse nach Nordkorea im Detail aufdecken sollten. (Als darüber hinaus die nordkoreanische Regierung im Mai 2009 erklärte, dass Nordkorea einen weiteren unterirdischen Atomtest durchgeführt habe, wurden am 16. Juni desselben Jahres die Maßnahmen zudem durch ein vollständiges Exportverbot für alle Waren erweitert (siehe Punkt (10) unten). 

(8) Arbeitsgruppe für die Normalisierung der japanisch-nordkoreanischen Beziehungen (März und September 2007)

  Bei den Sechs-Parteien-Gesprächen im Februar 2007 stimmten die Parteien zu, eine Arbeitsgruppe für die Normalisierung der japanisch-nordkoreanischen Beziehungen einzurichten. Das erste Treffen der Arbeitsgruppe fand am 7. – 8. März 2007 in Hanoi statt. Auf diesem Treffen wiederholte die Regierung Japans ihre Forderungen, dass Nordkorea die Sicherheit aller Entführten und ihrer Familienangehörigen garantiere, ihre sofortige Rückkehr nach Japan erlaube, einen vollständigen Bericht über die Fälle bereitstelle und die für die Ausführung der Entführungen Verantwortlichen an Japan ausliefern solle. Die nordkoreanische Seite wiederholte jedoch nicht nur ihren früheren Standpunkt, dass die Entführungsfrage bereits gelöst sei, sondern forderte außerdem Japan auf, die „wirtschaftlichen Sanktionen“ gegen Nordkorea aufzuheben, und demonstrierte so einen Mangel an Bereitschaft zur Lösung der Entführungsfrage. Das zweite Treffen der Arbeitsgruppe fand am 5. – 6. September in Ulan Bator statt. Japan und Nordkorea stimmten zu, dass die beiden Länder auf der Basis der Pjöngjang-Erklärung in gutem Glauben zusammenarbeiten würden, um aktive Diskussionen zu führen, die durch konkrete Handlungen zu Fortschritten führen würden, um so die Beziehungen so schnell wie möglich zu normalisieren, die unglückliche Vergangenheit zwischen den beiden Ländern hinter sich zu bringen und ungeklärte Fragen zu lösen. Das Treffen der Arbeitsgruppe brachte jedoch keinen Fortschritt hinsichtlich der Entführungsfrage.

  Am 20. Juli, zwischen dem ersten und zweiten Treffen der Arbeitsgruppe, präsentierte Nordkorea ein Memorandum seines Außenministeriums mit der Erklärung, dass Nordkorea die Entführungsfrage als gelöst betrachte und Japans Standpunkt zur Entführungsfrage kritisiere. Daraufhin gab die Regierung Japans auf einer Pressekonferenz des Außenministeriums am 25. Juli eine Stellungnahme ab, in der erklärt wurde, dass das nordkoreanische Memorandum völlig inakzeptabel sei.

(9) Konsultationen auf Arbeitsebene (Juni und August 2008)

  Am 11. und 12. Juni 2008 fand in Beijing eine Konsultation auf Arbeitsebene zwischen Japan und Nordkorea statt. Auf der Konsultation bekräftigten die Parteien ihre Standpunkte hinsichtlich der Entführungsfrage und der Aufarbeitung der Vergangenheit, wobei die Konsultationsleiter besonders über die Entführungsfrage ernsthaft und intensiv verhandelt haben.

  Nordkorea revidierte im Ergebnis seine bisher vertretene Position, die Entführungsfrage sei gelöst, und erklärte sich bereit, zum einen erneute Untersuchungen einzuleiten und zum anderen auch bezüglich einer Lösungsfindung zur Frage der Yodo-go-Gruppe zu kooperieren. In Reaktion darauf erklärte Japan, es werde den Personenverkehr sowie Charterflüge nach Nordkorea wieder freigeben; außerdem sollten künftig nordkoreanische Schiffe wieder in japanische Häfen einlaufen dürfen, solange diese Schiffe zu humanitären Zwecken unterwegs seien.

  Im Rahmen der im August durchgeführten Konsultationen wurden Ziele und konkrete Durchführungsweisen der zugesagten Untersuchungen vereinbart. Diesen Vereinbarungen entsprechend wollte die nordkoreanische Seite konkrete Schritte zur Lösung der Entführungsfrage einleiten und eine umfassende Untersuchung zum Verbleib der Entführten durchführen, um den Überlebenden eine Rückkehr in ihre Heimat zu ermöglichen. Japan erklärte sich seinerseits bereit, zeitgleich mit der Aufnahme der Untersuchungen durch Nordkorea die für den Personenverkehr und Charterflüge geltenden Restriktionen aufzuheben.

  Nach dem plötzlichen japanischen Regierungswechsel teilte die koreanische Seite allerdings im September desselben Jahres mit, die Einrichtung des Untersuchungsausschusses aufzuschieben, bis geklärt sei, ob sich die neue japanische Regierung an die Umsetzung der im Rahmen der Konsultationen getroffenen Vereinbarungen halten werde. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt hat Nordkorea seine Zusagen nicht erfüllt. Japan ist nach wie vor bereit, sich an die zugesagten Vereinbarungen zu halten, was es auch künftig gegenüber Nordkorea deutlich machen wird, und es wird weiterhin nachdrücklich die zügige Aufnahme von Untersuchungen in der Entführungsfrage fordern.

(10) Bericht zum Abfeuern von Raketen und zur Durchführung von Atomtests durch Nordkorea (April und Mai 2009)

(a)  Am 5. April 2009 feuerte Nordkorea erneut eine Rakete ab. In Reaktion darauf verlängerte Japan die anlässlich des Starts einer ballistischen Rakete und der Durchführung eines Atomtests eingeleiteten Maßnahmen gegen Nordkorea um ein weiteres Jahr und leitete zudem zwei weitere Maßnahmen ein, die die Kapitalflüsse nach Nordkorea im Detail aufklären sollten. Am 25. Mai erklärte Nordkorea überdies, einen unterirdischen Atomtest durchgeführt zu haben. Die japanische Regierung verhängte daher am 16. Juni weitere zwei Maßnahmen, die ein vollständiges Ausfuhrverbot aller Waren nach Nordkorea zum Inhalt hatten.

(b)  Diese zusätzlichen Maßnahmen wurden unter Berücksichtigung der Gesamtlage in Bezug auf Nordkorea beschlossen; allerdings spielte auch die Tatsache eine Rolle, dass Nordkorea nach wie vor nicht mit der Umsetzung der im August 2008 getroffenen Zusagen zur umfassenden Untersuchung der Entführungsfrage (siehe Punkt (9) oben) begonnen hatte.

3. Bemühungen der internationalen Gemeinschaft

(1) Wachsende internationale Besorgnis über die Entführungsfrage

(a)  Die Entführung japanischer Bürger durch Nordkorea ist eine schwere und eindeutige Verletzung der Menschenwürde, der Menschenrechte und der grundlegenden Freiheit. Die ab 2003 für drei aufeinander folgende Jahre von der UN-Menschenrechtskommission verabschiedete Resolution zur „Menschenrechtssituation in der Demokratischen Volksrepublik Korea“ fordert eine rasche Beilegung der ungelösten Fragen in Bezug auf die Entführung ausländischer Staatsangehöriger. Professor Vitit Muntarbhorn, mit dieser Resolution als UN-Sonderberichterstatter zur Lage der Menschenrechte in Nordkorea ernannt, erstellt seit 2005 jedes Jahr Berichte für die Menschenrechtskommission (2006 wurde diese durch den Menschenrechtsrat ersetzt) und den dritten Hauptausschuss der UN-Generalversammlung, in denen er auch die Ergebnisse der wiederholt durchgeführten Besuche in Japan berücksichtigt. In seinem Bericht für das Jahr 2009 äußerte er die Meinung, Nordkorea müsse sich zügig um eine wirkungsvolle Kooperation bei der Lösung der Entführungsfrage bemühen.

(b)  Neben der von der UN-Menschenrechtskommission verabschiedeten Resolution wurde erstmalig auch die Resolution zur Menschenrechtssituation in der Demokratischen Volksrepublik Korea von der Plenarsitzung der UN-Generalversammlung im Dezember 2005 mit großer Mehrheit verabschiedet, ebenso wie in den darauf folgenden fünf Jahren. Der Entwurf für diese Resolution der Generalversammlung wurde gemeinsam von Japan und der Europäischen Union eingebracht und drückt tiefe Besorgnis über die Menschenrechtssituation in Nordkorea aus. Außerdem fordert die Resolution die zuständigen nordkoreanischen Behörden auf, die Entführungsfrage zügig zu lösen, wozu auch die Rückkehr der Entführten in ihre Heimat gehöre (der genannte Resolutionsentwurf wurde im Jahr 2009 von 53 Ländern gemeinsam eingebracht, zu denen seit 2008 auch Südkorea gehört). Viele Länder, die der Resolution als solcher nicht zustimmten, drückten trotzdem ihre Besorgnis in Bezug auf das nordkoreanische Verhalten in der Entführungsfrage aus (u.a. Indien, Nepal, Vietnam, Indonesien, Kolumbien). Der UN-Menschenrechtsrat führte im vergangenen Dezember im Rahmen eines „Universal Periodic Review“ (UPR) eine Untersuchung zur Menschenrechtssituation in Nordkorea durch. Der daraus resultierende Bericht bietet verschiedene Empfehlungen und drückt die Besorgnis der verschiedenen Länder, darunter auch Japan, über die nordkoreanische Menschenrechtslage einschließlich der Entführungsfrage aus.

(c)  Die Besorgnis in Japan und im Ausland nahm zu, als Berichte von den nach Japan zurückgekehrten Entführten anzeigten, dass Menschen aus Thailand, Rumänien, Libanon und anderen Ländern außer Japan in Nordkorea leben, die ebenfalls entführt worden sein könnten. Nachdem im Mai 2006 bekannt wurde, dass es sich bei dem Ehegatten von Megumi Yokota wahrscheinlich um einen Bürger der Republik Korea handele, der ebenfalls nach Nordkorea entführt worden war, begannen japanische und südkoreanische Familienangehörige von Entführten, sich gegenseitig zu besuchen und die Beziehungen sowie die Kooperation zwischen den betroffenen Familien in beiden Ländern zu stärken.

(2) Von Japan durchgeführte diplomatische Schritte

(a)  Zusätzlich zu den oben beschriebenen Anstrengungen im Rahmen der UN-Generalversammlung und des UN-Menschenrechtsrates ist es der japanischen Regierung auch durch Ausnutzung jeder diplomatischen Gelegenheit auf internationalen Konferenzen, G8-Gipfeln und Treffen zwischen Staatsoberhäuptern zum Ansprechen der Entführungsfrage gelungen, das Verständnis und die Unterstützung von Ländern in der ganzen Welt zu gewinnen. So demonstrierten beispielsweise die anderen Teilnehmer am G8-Gipfel in L’Aquila im Juli 2009 ihre Unterstützung in der von der Regierung Japans aufgebrachten Entführungsfrage, was sich in der Gemeinsamen Erklärung in Form der Forderung an Nordkorea niederschlug, unverzüglich auf die Besorgnis der internationalen Gemeinschaft bezüglich der Menschenrechtssituation im Land zu reagieren, zu der auch die Entführungsfrage gehöre. (Dies war nach dem Gipfel in Toyako auf Hokkaido das zweite Mal in Folge, dass die Gemeinsame Erklärung der G8-Staaten sich ausdrücklich auf die Entführungsproblematik bezog. Diese wird außerdem seit dem Evian-Gipfel 2003 fortlaufend u.a. in den Dokumenten der Ministertreffen aufgegriffen.)

  In bilateralen Regierungsgesprächen zeigen beispielsweise die USA seit jeher Verständnis gegenüber der japanischen Position in der Entführungsfrage und erklären sich zur Kooperation bereit. Präsident Obama erklärte zudem in einer im November 2009 in Tokyo gehaltenen Rede, dass eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Nordkorea und seinen Nachbarstaaten nur unter der Voraussetzung möglich sei, dass die betroffenen japanischen Familien eine überzeugende Erklärung zum Verbleib der Entführten erhielten. Außerdem erklärte Außenministerin Clinton auf einem Treffen mit Familienmitgliedern von Entführten im Februar desselben Jahres, dass auch die USA die Entführungsfrage als dringliches Problem betrachteten. Der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak hat mehrmals eine weitestmögliche Kooperation und Unterstützung Südkoreas in der Entführungsfrage zugesichert. Auf einem Treffen der japanischen und südkoreanischen Regierungschefs im Januar 2009 erklärte er, auch in Südkorea gebe es zahlreiche Entführungsopfer, und er sei ebenso wie Japan der Meinung, dass Nordkorea in dieser Frage kooperieren müsse. Auch der chinesische Staatspräsident Hu Jintao und der russische Präsident Medwedew äußerten ihr Verständnis in Bezug auf die Entführungsfrage. Im April 2006 traf der damalige US-Präsident Bush Frau Sakie Yokota, die Mutter des Entführungsopfers Megumi Yokota, und erklärte, Nordkorea müsse die Menschenrechte und die Menschenwürde respektieren, damit Megumi ihre Mutter noch einmal in die Arme schließen könne.

(b)  Die bei den Sechs-Parteien-Gesprächen im September 2005 angenommene Gemeinsame Erklärung reflektierte Japans Grundhaltung, dass keine Normalisierung der Beziehungen mit Nordkorea erreicht werden kann, bis ungeklärte Fragen, zu denen auch die Entführungsfrage gehört, gelöst worden sind. Eines der Ziele dieser Sechs-Parteien-Gespräche besteht darin, Maßnahmen zur Normalisierung der Beziehungen zu ergreifen, indem sich Japan und Nordkorea von ihrer unglücklichen Vergangenheit trennen und offene Fragen, wie die der Entführung japanischer Bürger, regeln. Die im Februar 2007 geführten Sechs-Parteien-Gespräche zur Förderung dieses Prozesses konzentrierten sich auf die Verhandlungen zur Entnuklearisierung und die Einrichtung einer Arbeitsgruppe für die Normalisierung der Beziehungen zwischen Japan und Nordkorea. Die im September desselben Jahres geführten Sechs-Parteien-Gespräche schlossen mit einer Übereinkunft zwischen Japan und Nordkorea, konkrete Maßnahmen zur Gestaltung der Beziehungen zu ergreifen. Eine diesbezügliche Erklärung wurde am 3. Oktober herausgegeben.

  Nach den abgehaltenen Sechs-Parteien-Gesprächen erhielt Nordkorea als Gegenleistung für die Ergreifung von Maßnahmen zur Entnuklearisierung wirtschaftliche und energiebezogene Unterstützung. Die Regierung Japans vertrat jedoch den Standpunkt, dass Japan nicht an der Vereinbarung der Sechs-Parteien-Gespräche zur Energielieferung an Nordkorea teilnehmen würde, wenn kein Fortschritt bei der Entführungsfrage erkennbar wäre.

(c)  Wie oben gezeigt, signalisiert die internationale Gemeinschaft klares Verständnis für die Dringlichkeit der Entführungsfrage und unterstützt die Bemühungen der japanischen Regierung. Um eine Entscheidung bezüglich einer Lösung der Entführungsfrage seitens Nordkoreas herbeizuführen, sind das Verständnis und die Kooperation der internationalen Gemeinschaft unabdinglich. Daher will die japanische Regierung in dieser Frage auch künftig aktiv mit der internationalen Gemeinschaft zusammenarbeiten.

4. In Japan ergriffene Maßnahmen

(1) Ermittlungen und Nachforschungen durch die Regierung Japans

  Seit dem Japanisch-Nordkoreanischen Gipfeltreffen im September 2002 hat die Regierung Japans ständige Unterstützung von den nach Japan zurückgekehrten Entführten erhalten; sie hat die Ermittlungen und Nachforschungen in anderen Fällen von Entführungen durch Nordkorea sowie in Fällen, in denen die Möglichkeit einer Entführung nicht ausgeschlossen werden kann, fortgesetzt. Die Ergebnisse dieser Ermittlungen und Nachforschungen haben dazu geführt, dass die Regierung Japans neue Entführungsfälle und Verdächtige in Entführungsfällen wie nachstehend aufgeführt identifiziert hat. Die Regierung Japans setzt sich weiterhin für Ermittlungen und Nachforschungen ein und wird jeden neuen als Entführung identifizierten Fall bei Nordkorea zur Sprache bringen, sobald er festgestellt wird. Gleichzeitig wird sich die Regierung nach besten Kräften bemühen, eine volle Rechenschaft über die bekannten Entführungen zu erhalten, die auch die Identifizierung der für diese Verbrechen verantwortlichen Personen einschließt.

(a) Zusätzliche identifizierte Entführte

  Ermittlungen und Nachforschungen durch japanische Behörden haben neue Indizien aufgedeckt, welche die Regierung Japans zu der Annahme führen, dass Fälle, in denen eine Frau in der Präfektur Tottori im Oktober 1977 (Kyoko Matsumoto) und ein Mann in der Präfektur Hyogo im Juni 1978 (Minoru Tanaka) plötzlich verschwanden, ebenfalls Fälle von Entführungen durch Nordkorea sind. Auf der Basis dieser Indizien hat die Regierung Japans am 27. April 2005 Minoru Tanaka und am 20. November 2006 Kyoko Matsumoto der Liste der japanischen Bürger hinzugefügt, die als von Nordkorea Entführte identifiziert worden sind. Durch diese beiden neuen Fälle erhöhte sich die Anzahl der von der Regierung Japans anerkannten Entführungsfälle auf 12 – insgesamt sind 17 Personen betroffen.

  Ein Fall zweier in Japan verschwundener Personen nicht-japanischer Staatsangehörigkeit (in Japan gemeldete koreanische Geschwister) wurde in Japan als Entführung durch Nordkorea aufgedeckt. Die Regierung Japans vertritt bezüglich dieses Falles den Standpunkt, dass Entführung eine schwere Verletzung der Menschenrechte, ungeachtet der Staatsangehörigkeit, sowie eine Verletzung der nationalen Souveränität Japans ist. Aus diesem Grund fordert die Regierung, dass Nordkorea diese beiden Personen nach Japan, dem Ort ihrer Entführung, zurückkehren lässt, und dass auch in diesem Fall volle Rechenschaft abzulegen ist.

(b) Identifizierte Verdächtige in den Entführungsfällen

  Am 23. Februar 2006 identifizierten japanische Behörden den nordkoreanischen Agenten Sin Kwang-Su als die für die Entführung von Yasushi und Fukie Chimura verantwortliche Person, und einen als Choi Sun-Chol bekannten nordkoreanischen Agenten, der sich Kenzo Kosumi nennt, als die für die Entführung von Kaoru und Yukiko Hasuike verantwortliche Person. Am 2. November 2006 identifizierten japanische Behörden eine nordkoreanische Agentin, allgemein unter dem Namen Kim Myong-Suk bekannt, als die für die Entführung von Hitomi Soga und ihrer Mutter Miyoshi verantwortliche Person. Am 22. Februar 2007 identifizierten japanische Behörden zwei Personen, deren echte Namen noch unbestätigt sind, Han Myeong-Il alias Han Geum-Nyeong und Kim Nam-Jin, damals Berater der Japan-Abteilung des Referats für Auslandsinformationen und Forschung der Koreanischen Arbeiterpartei, als Mittäter bei der Entführung der Hasuikes. Am 13. Juni 2007 identifizierten japanische Behörden Junko Mori und Sakiko Wakabayashi (geborene Kuroda), Ehefrauen von Yodo-go-Mitgliedern, als verantwortlich für die Entführung von Toru Ishioka und Kaoru Matsuki. Für alle diese Verdächtigen wurden an den betreffenden Tagen Haftbefehle erlassen, und sie wurden international zur Fahndung ausgeschrieben. Die Regierung Japans forderte die Auslieferung dieser Personen von Nordkorea nach Japan.

  Die japanischen Behörden befassen sich bereits seit langem mit Fällen der Entführung japanischer Bürger durch Nordkorea. Seit August 2002 sind Haftbefehle für den nordkoreanischen Agenten Sin Kwang-Su für die Entführung von Tadaaki Hara (Fall Sin Kwang-Su), das Yodo-go-Mitglied Kimihiro Uomoto (Geburtsname Abe) für die Entführung von Keiko Arimoto und den nordkoreanischen Agenten Kim Se-Ho als Hauptverdächtigen bei der Entführung von Yutaka Kume (Fall Ushitsu) erlassen worden. Alle diese Verdächtigen wurden international zur Fahndung ausgeschrieben, und die Regierung Japans fordert die Auslieferung dieser Personen von Nordkorea nach Japan. Ein Haftbefehl ist ebenfalls für Kim Kil-Uk als Mittäter bei der Entführung von Tadaaki Hara erlassen worden, und die japanischen Behörden sind dabei, ihn international zur Fahndung ausschreiben zu lassen.

  Am 26. April 2007 erließen die japanischen Behörden einen Haftbefehl für Yoko Kinoshita alias Hong Su-Hye als Hauptverdächtige in dem Fall einer vermuteten Entführung in Japan von Geschwistern nicht-japanischer Staatsangehörigkeit (in Japan gemeldeten Koreanern), und Schritte werden unternommen, sie international zur Fahndung ausschreiben zu lassen.

(c) DNA-Analyse von Megumi Yokotas Ehemann (April 2006)

  Im April 2006 ergab eine von der Regierung Japans veranlasste Analyse der DNA eines Mädchens, das von Nordkorea als Megumi Yokotas Tochter vorgestellt wurde, dass Kim Young-Nam, ein 1978 als Oberschüler aus der Republik Korea (Südkorea) entführter koreanischer Staatsangehöriger, mit Megumi Yokota verheiratet war. Die Regierung Japans legte die Ergebnisse dieser Analyse den nordkoreanischen Behörden vor und verlangte erneut eine glaubwürdige Antwort als Schritt in Richtung einer Lösung der Entführungsfrage. Die Regierung der Republik Korea führte eigene unabhängige Tests durch und kam im Mai 2006 zu den gleichen Ergebnissen.

(d) Treffen zwischen der Familie Iizuka und Kim Hyon-hui (März 2009)

  Am 11. März 2009 kam es in Busan (Südkorea) zu einem Treffen zwischen Kim Hyon-hui (verantwortlich für den Bombenanschlag auf den Flug 858 der Korean Air), einer im Fall Yaeko Taguchi wichtigen Zeugin, und Angehörigen von Frau Taguchi, der Familie Iizuka. Dieses Treffen wurde auf wiederholte Bitte der Familie Iizuka von der japanischen Regierung ermöglicht, die dafür die Unterstützung der südkoreanischen Regierung gewinnen konnte. In diesem Gespräch konnte Frau Kim wichtige neue Informationen (*) zum Fall von Frau Taguchi liefern, die gegenwärtig von der japanischen Regierung überprüft werden.
(*) Aussage von Frau Kim: „Ich bin im Januar 1987 aus Macao zurückgekehrt; im Februar oder März sagte mir ihr Fahrer, Frau Taguchi sei an einen unbekannten Ort gebracht worden. Ich hatte 1986 gehört, dass ein allein lebendes Opfer verheiratet worden war, und nahm deshalb an, dass dies auch mit Frau Taguchi geschehen sein könnte.“

(2) Gesetz über die Befassung mit der Entführungsfrage und anderen nordkoreanischen Menschenrechtsverletzungen (Juni 2006)

  Der Zweck dieses Gesetzes ist die Aufklärung der japanischen Öffentlichkeit in Bezug auf die Entführungsfrage und andere Menschenrechtsverletzungen durch nordkoreanische Behörden sowie die Förderung der Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft, um die vollständige Rechenschaft über die Situation hinsichtlich der Entführungsfrage zu erhalten und eine Wiederholung in Zukunft zu verhüten. Das Gesetz wurde am 23. Juni 2006 verkündet und in Kraft gesetzt.

  Zusätzlich zur Festlegung der Verantwortung der Regierung zur Lösung der Entführungsfrage und anderer Anliegen macht das Gesetz außerdem die Kommunalverwaltungen verantwortlich für die Aufklärung der Öffentlichkeit in Bezug auf diese Frage; es etabliert die Woche der Aufklärung über die nordkoreanischen Menschenrechtsverletzungen (10. – 16. Dezember) und fordert die Regierung und die Kommunalverwaltungen auf, Informationsveranstaltungen zu diesem Thema während dieser Woche abzuhalten. Das Gesetz wurde am 6. Juli 2007 um eine neue Klausel erweitert, dass die von der Regierung Japans ergriffenen Maßnahmen sorgfältig ausgearbeitet sein müssen, um zur Lösung der Entführungsfrage beizutragen.

  Wie von dem Gesetz vorgeschrieben, wird jedes Jahr im Dezember die Woche der Aufklärung über die nordkoreanischen Menschenrechtsverletzungen abgehalten. Die Regierung Japans hält in dieser Woche ein Erinnerungstreffen ab, sponsert PR-Events, Vorlesungen und Symposien zu einer Reihe von Themen im Zusammenhang mit dieser Frage und stellt Unterstützung für eine von Bürgergruppen und anderen Organisationen des privaten Sektors gesponserte internationale Konferenz bereit.

(3) Die Gründung des neuen Sonderstabs für die Entführungsproblematik (Oktober 2009)

(a)  Im September 2006 gründete die Regierung Japans den Sonderstab für die Entführungsproblematik unter dem Vorsitz des Premierministers mit dem Ziel der Förderung umfassender Maßnahmen zur Lösung der Entführungsfrage. Der Sonderstab setzt sich aus dem gesamten Kabinett zusammen und ist als zentrale Körperschaft strukturiert, die erstmals einen einheitlichen Ansatz innerhalb der Regierung zur Lösung der Entführungsfrage gewährleisten soll.

(b) Parallel zur Auflösung des bisherigen Sonderstabs im Oktober 2009 wurde ein neuer Sonderstab ins Leben gerufen, an dessen Spitze der Premierminister steht, und dessen Aufgaben unter anderen darin bestehen sollen, den Umgang mit der Entführungsfrage neu zu diskutieren, Maßnahmen für eine möglichst schnelle Rückkehr der Überlebenden auszuarbeiten, Informationen über den Verbleib noch vermisster Entführungsopfer zu untersuchen und die Ausarbeitung eines umfassenden strategischen Ansatzes voranzutreiben. Der Sonderstab setzt sich aus dem ihm vorstehenden Premierminister, dem für die Entführungsproblematik zuständigen Kabinettsminister, der gleichzeitig sein Vizeleiter ist, dem Kabinettssekretär und dem Außenminister zusammen und befasst sich aktiv mit Schritten, die eine Lösung der Entführungsfrage vorantreiben.
  Der Sonderstab kam erstmals im Oktober seines Gründungsjahres zusammen und besprach die Organisation des Sonderstabsbüros, wobei besonders eine Verbesserung des Informationssystems im Vordergrund stand. Auf dem Treffen wurde bestätigt, dass die Regierung gemeinsame Anstrengungen unternehmen wird, um zügig eine gesunde Rückkehr aller Entführungsopfer zu erreichen.

(4) Aktivitäten zur Information und Aufklärung

  Zur Lösung der Entführungsfrage ist es auch entscheidend, das Augenmerk der japanischen wie auch der internationalen Öffentlichkeit auf diese Problematik zu lenken, weshalb die Regierung diverse Anstrengungen in Bezug auf Information und Aufklärung unternimmt, beispielsweise im Rahmen der oben erwähnten „Woche der Aufklärung über die nordkoreanischen Menschenrechtsverletzungen“ oder auf regionalen Informationsveranstaltungen, durch die Herausgabe und Verbreitung von DVDs und Broschüren, durch Filmvorführungen und Vortragsveranstaltungen und durch die Entsendung von Lehrkräften.

  Um die in Nordkorea verbliebenen japanischen Entführungsopfer mit Nachrichten von ihren Familien, Informationen zu ihrer Situation sowie zur allgemeinen Lage im In- und Ausland zu versorgen, hat die japanische Regierung im Juli 2007 mit der Ausstrahlung eines Kurzwellenradioprogramms namens „Furusato no kaze (Wind aus der Heimat)“ (auf Japanisch) und „Ilbon-e Baram“ (auf Koreanisch) begonnen. (Anmerkung: Das Programm finden Sie auch auf dieser Website.)